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16 Dos & Don'ts für die Formulierung von Stellenanzeigen [Schreibstil]


Lesedauer: 3 Minuten

Barbara steigt gerade in die U6 in Richtung Kreuzberg ein, als ihr die Push-Nachricht auf ihrem Smartphone verrät: "1 neue E-Mail". Instinktiv öffnet sie ihre Mail-App. Ihre Jobsuchmaschine hat einen neuen Match für sie.

Ihren aktuellen Job als Kundenberaterin hat Barbara innerlich längst gekündigt, da sie ihren cholerischen Vorgesetzten nicht mehr ertragen kann. Seitdem die Geschäfte nicht mehr gut laufen, hat sich die Zusammenarbeit immer weiter verschlechtert. Sie ist sich ohnehin unsicher, wie lange sie in dem Unternehmen noch bleiben kann. Der "Account Manager (m/w)" erreicht sie zur richtigen Zeit, sie riskiert einen Klick.

So oder so ähnlich beginnen wahrscheinlich viele Candidate Journeys. Der Fisch hat angebissen und lässt das Recruiter-Herz höher schlagen, wohlwissend dass die nächsten 20 Sekunden entscheidend sind:

  • Lädt die Seite schnell genug, so dass sie die Stellenanzeige zu Gesicht bekommt?
  • Ist die Stellenanzeige mobil überhaupt lesbar?
  • Gefällt ihr der erste Satz so gut, dass sie auch den Zweiten liest?
  • Ist die Unternehmensbeschreibung für sie verständlich?
  • Sprechen die beschriebenen Tätigkeiten sie an?
  • Hat sie einen so guten Eindruck, dass sie den Arbeitgeber im Netz recherchiert?
  • (...)
  • Oder schließt sie ihren Browser und schickt die E-Mail in die ewigen Jagdgründe?

Stellenanzeigen sind im Recruiting auch im Social Media-Zeitalter unverzichtbar und oft der erste Kontaktpunkt zu einem potentiellen Kandidaten. Lesen Sie hier, wie Sie herausragende Stellenanzeigen erstellen (Schritt für Schritt Anleitung).

Auch ein guter Schreibstil ist entscheided und lässt sich mit einfachen Mitteln optimieren.

7 Don'ts bei der Formulierung von Stellenanzeigen

  1. Meiden Sie jegliches Amtsdeutsch, vor allem den in Behörden beliebten Nominalstil ("Entwicklung", "Umsetzung", "Ausführung", "Durchführung") oder aufgeblähte Streckverben ("zum Ergebnis führen", "in Verbindung setzen mit").
  2. Übertreiben Sie es nicht mit Füllwörtern. Sie sollten diese nur gezielt einsetzen und kurz innehalten, bevor Sie Wörter wie "an sich", "sozusagen", "natürlich", "echt", "eigentlich" oder "irgendwie" schreiben.
  3. Austauschbare Phrasen: Wenn über Ihrem Text auch das Logo des Konkurrenten inhaltlich passen würde, haben Sie vielleicht zu viele allgemeine Phrasen verwendet ("Mitarbeiter sind bei uns das wichtigste Asset", "Leidenschaft wird bei uns großgeschrieben").
  4. Vermeiden Sie abstrakte Verallgemeinerungen wie "vielseitige Tätigkeit" oder "Mitarbeit im Bereich des ...". Leser mögen das Konkrete und Greifbare.
  5. Passivkonstruktionen können die Lesbarkeit negativ beeinflussen. Sie sind kein Tabu, aber sollten behutsam eingesetzt werden.
  6. Rechtschreibfehler wirken unprofessionell. Lassen Sie einfach mal den Kollegen w/m neben Ihnen über die Texte schauen.
  7. Verstoße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) können schnell kostspielig werden. Überprüfen Sie vor der Veröffentlichung die Einhaltung des AGG.
  8. Zu viele denglische Wörter können abstoßend auf einzelne Kandidaten wirken. Übertreiben Sie den Einsatz nicht, auch wenn das bei Ihnen im Haus der gewöhnliche Sprachgebrauch ist.


8 Dos bei der Formulierung von Stellenanzeigen

  1. Legen Sie besonderen Wert auf einen sehr guten Einstieg. Die ersten Sekunden und Sätze entscheiden darüber, ob der Kandidat weiterliest oder nicht. Besonders der Titel hat eine entscheidende Rolle.
  2. Fassen Sie sich kurz und nutzen Sie den Platz bestmöglich. Viele Stellenanzeigen werden überflogen, einige werden angelesen, weniger werden ganz gelesen.
  3. Eine Stellenanzeige schreibt sich nicht in 5 Minuten. Ganz ohne Aufwand geht es leider nicht. Nehmen Sie sich die Zeit, es wird sich auszahlen.
  4. Ein vorangestellter Austausch mit der Fachabteilung ist notwendig. Sie darf auch gern einen Entwurf für die Positionsbeschreibung erstellen.
  5. Aktive Verben lassen Gedanken tanzen und geben dem Text Lebendigkeit.
  6. Schreiben Sie so präzise wie möglich. Wer "Suchmaschinenmarketing" meint, sollte nicht "Online Marketing" schreiben.
  7. Formulieren Sie einfache Sätze ohne Verschachtelungen und mehreren Nebensätzen.
  8. Wortrausch vermeiden: Lassen Sie alles weg, was nicht wirklich wichtig ist. Was wichtig ist, entscheidet die Zielgruppe (und das AGG).
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